April 5, 2020

Berufsorientierung

1. Grundsatz des Konzeptes Berufsorientierung 

Als Grundsatz des Berufsorientierungskonzepts der Oberschule Flotwedel gilt das Bemühen um eine Vor­bereitung der Schüler/innen zur Aufnahme einer Berufstätigkeit und die Befähigung, eine begründete Be­rufswahlentscheidung zu treffen. 

Dazu werden berufsorientierende Maßnahmen auf der Grundlage schulformspezifischer Zielsetzungen und unter Berücksichtigung der Gegebenheiten in Celle und Umgebung durchgeführt. Eine fächerübergreifende Berufsorientierung wird angestrebt. Die Klassen werden durch eine sozialpädagogi­sche Fachkraft im Rahmen des Programms zur Berufsorientierung und Berufsbildung gezielt unterstützt. Darüber hinaus arbeiten die Fachlehrkräfte und die Sozialpädagogin aktiv mit Betrieben, Wirtschaftsver­bänden, berufsbildenden Schulen, der Berufsberatung der Arbeitsagenturen und anderen außerschulischen Partnern zusammen. Ebenso ist die Durchführung von Kompetenzfeststellungsverfahren ein fester Be­standteil der Berufsorientierung an unserer Schule. Somit soll ein erfolgreicher Berufseinstieg ermöglicht und eine Verbesserung der Ausbildungsfähigkeit der Schüler/innen erzielt werden.   

2. Ausgangslage der Schüler/innen 

Der Übergang von der Schule in eine Berufsausbildung oder in eine weiterführende Schule führt bei den Jugendlichen häufig zu einer Phase der Instabilität. Gewohntes muss zurückgelassen werden, Unbekann­tes kommt auf die Schüler und Schülerinnen zu. Diese Konstellation werden sie im weiteren Verlauf des Lebens noch häufig erleben, da der Startberuf vielfach nicht der Lebensberuf sein wird. Viele Schüler und Schülerinnen stehen den Problemen der Übergangsphase recht hilflos gegenüber, sie verfügen nicht über geeignete Strategien, den Übergang für sich sinnvoll zu gestalten. Eine wesentliche Ursache für die Unsicherheit der Jugendlichen ist in der mangelnden Fähigkeit bezüglich der Selektion und Aufnahme relevanter Informationen zu sehen.  

Trotz aller Bemühungen der Schule und der Berufsberatung ist eine wesentliche Grundlage für die Wahl eines Startberufs die Information durch Eltern oder Freunde. Hier kann nicht davon ausgegangen werden, dass diese Informationen strukturiert und auf die Fähigkeiten und Fertigkeiten des Jugendlichen zuge­schnitten sind. Es spielen Projektionen eigener Erfahrungen mit einem Beruf eine Rolle, aber auch gehei­me Wünsche – „Mein Sohn/meine Tochter soll es besser haben.“ – beeinflussen die Ratschläge. Nicht zu­letzt findet man häufig Wünsche der Eltern wieder, die sie bei ihrer Berufswahl nicht verwirklichen konn­ten. 

Zusätzlich zum Problem der zur Verfügung stehenden Informationsquellen ist die Menge der möglichen Berufe für die Schüler/innen der Hauptschule zunächst einmal eingeschränkt. Zwar besteht mit dem Hauptschulabschluss die Berechtigung, fast alle Ausbildungsberufe zu ergreifen, doch sieht die Praxis so aus, dass viele Arbeitgeber Ausbildungsstellen mit Realschülern oder Gymnasiasten besetzen. 

War es vor einer Generation noch die Regel, dass der Startberuf gleich dem Lebensberuf und die ers­te Arbeitsstelle auch die einzige war, so kann man heute von einer „Patchworkkarriere“ ausgehen. Wäh­rend der Zeit als Erwerbstätiger ist es notwendig, immer wieder umzulernen, evtl. einen neuen Beruf zu ergreifen. Dadurch kommt es darauf an, dass Strategien entwickelt werden, wie man sich orientiert, wie man sich neuen Berufen nähert, wie man erfolgreich in neue Berufe einsteigt. 

Zusammengefasst sehen wir vier wesentliche Bereiche: 

•   Berufswahl als Prozess 

•   Individuelle und strukturierte Informationsaufnahme 

•   Erweiterung des Berufswahlblickwinkels 

•   Berufswahlentwicklung 

3. Ziele der Bemühungen an der Oberschule Flotwedel

Gemäß der Struktur der Ausgangslage muss es das wesentliche Ziel der Berufsorientierung an unserer Schule sein, die Schüler/innen mit relevanten Informationen zu versorgen und sie in die Lage zu versetz­en, diese Informationen mit den eigenen Präferenzen, Fähigkeiten und Fertigkeiten so abzugleichen, dass sie eine tragfähige, begründete Entscheidung für einen Startberuf treffen können. Der Prozess hat das Ziel, vom Traum- über den Wunsch- zu einem Startberuf zu gelangen. 

3.1 Informationsgewinnung 

Die Gewinnung von Informationen beginnt auf der Basis eines Wunschberufs. Als Grundlage können die Schriften der Bundesagentur für Arbeit dienen. Zusätzliche Informationen bekommen die Schüler und Schülerinnen bei Expertenbefragungen anlässlich von Betriebserkundungen. Das Internet kann ebenfalls als Informationsquelle genutzt werden. Die Informationen sind unter bestimmten Aspekten zu strukturie­ren, damit später ein Vergleich der einzelnen Berufe vorgenommen werden kann. 

3.2 Praxiserfahrungen sammeln 

Die gewonnenen Informationen sind in der Praxis auf ihr Zutreffen zu untersuchen. 

Schüler/innen lernen Arbeit kennen. Sie bekommen ein Gespür für die Anforderungen, die einzelne Beru­fe an sie stellen. Diese Anforderungen können körperlicher Art sein, sie können aber auch als ein be­stimmtes Fertigkeits- und Fähigkeitsprofil beschrieben werden. Praxiserfahrungen sind Anlass, den Wunschberuf kritisch zu hinterfragen. Sie dienen aber auch dazu, die Arbeit in der Schule unter einem an­deren Blickwinkel zu betrachten und einen Motivationsschub bei den Schülern auszulösen. 

3.3 Methodenkompetenz erlangen und ausbauen 

Schüler und Schülerinnen müssen die Kompetenz erwerben, Informationen selbstständig zu gewinnen und sie zu strukturieren. Dazu müssen sie über das geeignete Werkzeug verfügen. Somit ist es zwingend erforderlich, dass sie verschiedene Methoden in diesem Zusammenhang kennen lernen und auch beherr­schen. 

3.4 Stärkung des Selbstkonzepts 

Ein wesentliches Ziel muss es sein, das Selbstkonzept der Schüler/innen zu stärken. Die Entwicklung der eigenen Fähigkeiten im Hinblick auf die Anforderungen einer beruflichen Tätigkeit gehört hier ebenso dazu wie die Erhöhung der Frustrationstoleranz. Gerade die zu erwartende sich mehrfach wiederholende Ablehnung einer Bewerbung nagt am Selbstbewusstsein der Schüler/innen. Es muss klar herausgearbeitet werden, dass diese Ablehnungen keine Aussagen über ihren Wert als Person treffen. Das selbstbewusste Auftreten bei einem Bewerbungsgespräch muss geübt werden, die Herausstellung der eigenen Fähigkei­ten und Fertigkeiten sollte den Schüler/innen gelingen. 

3.5 Selbst- und Fremdeinschätzung 

Mit zunehmendem Alter muss den Schüler/innen die Selbsteinschätzung ihrer Fähigkeiten und Fertigkei­ten besser gelingen. Es sind geeignete Methoden und Raster zu entwickeln, die ihnen diese Aufgabe erleichtern. Eine treffende Einschätzung ist die Grundlage einer begründeten Berufswahl, denn es werden dadurch bestimmte Berufe ausgeschlossen, andere, die vorher nicht beachtet worden sind, ge­raten in den Blick. Eine Selbsteinschätzung muss immer an einer Fremdeinschätzung relativiert werden. Dieser Spiegel verhindert eine durch den Berufswunsch gefilterte einseitige Einschätzung durch die Schüler/innen. Es muss erreicht werden, dass sie sich auf Fremdeinschätzungen durch Lehrer und Ausbil­der in den Betrieben einlassen. 

3.6 Beobachtung des Arbeitsmarktes 

Schüler/innen müssen lernen, ihren „Wert“ für den Arbeitsmarkt ständig zu untersuchen. 

Wenn sie im Rahmen der Berufsorientierung die Kompetenz erwerben sollen, auch in ferneren Lebenssituationen begründet und effektiv Berufswahl durchführen zu können, ist es notwendig, den Arbeitsmarkt ständig auf sich ändernde Anforderungen hin zu untersuchen. Sich ändernde Anforde­rungen bedingen eine Änderung im Verhältnis zu den eigenen Fertigkeiten und Fähigkeiten und müssen Anpassungsaktivitäten hervorrufen. Nur wer eine gute Passung zwischen eigenem Profil und Anforde­rungsprofil aufweist, hat gute Chancen auf Berufstätigkeit.

3.7 Berufsplanung als Strategie 

Schüler/innen müssen lernen, ihren Wunschberuf über Umwege zu erreichen. Das Zwischenschalten einer weiterführenden Schule zur Verbesserung der Noten ist ebenso eine Möglichkeit wie die Ausbildung in einem Beruf, der dem Wunschberuf ähnlich ist. Mit diesen Kenntnissen gelingt eine Ausbildung im Wunschberuf zu einem späteren Zeitpunkt vielleicht leichter und erfolgreicher. 

3.9 Zusammenarbeit Schule – Eltern 

Eine wesentliche Aufgabe ist die Einbeziehung der Eltern in den Prozess der Berufsorientierung. Eltern müssen über die gleichen Informationen verfügen wie ihre Kinder. Zusätzlich muss die Schule ihnen transparent machen, mit welchen Mitteln und Methoden sie eine fundierte Berufswahlfähigkeit ihrer Kin­der erreichen will. 

4. Maßnahmen zur Umsetzung der Ziele 

Folgende Maßnahmen sollen der Sicherung der Ausbildungsfähigkeit und 

Berufswahlkompetenz dienen: 

•   Betriebserkundungen 

•   Praxistage/ Betriebstage 

•   Betriebspraktika

• Methodentraining / Im Rahmen der Unterrichtsqualifizierung sind mehrere Methodentage im Jahreska­lender implementiert. 

•   Bewerbungstraining / Assessment  

•   BIZ-Besuche

•   Kooperation mit der Stiftung Niedersachsen Metall und daraus resultierende Besichtigungen (z.B. Tech-Lab etc.)

•   Sichtung der Schriften der Bundesagentur für Arbeit 

•   „Check the job“

•   Kompetenzanalyse Profil AC Niedersachsen

•   BBS – Informationsveranstaltungen für Schüler und Eltern 

•   ggf. Kooperation mit ortsansässigen Firmen

• Praxisorientierte Lernphasen innerhalb des Fachunterrichts – eine fächerübergreifende Berufsorientie­rung wird angestrebt

•  Berufsorientierende Maßnahmen in Klasse 7 der Oberschule zur Vorbereitung auf die Profilwahl (Kom­petenzfeststellung)

•   Schwerpunktbildung in der Oberschule, in einem der Profile Gesundheit und Soziales, Technik oder Wirtschaft. Das Angebot richtet sich nach den or­ganisatorischen, personellen und sächlichen Gegebenheiten an der OBS Flotwedel

•   Teilnahme am „Zukunftstag“

•   Beratung durch die Agentur für Arbeit (ca. alle sechs Wochen)

Die Aktionen und Veranstaltungen werden im Unterricht vor- und nachbereitet.  

5. Umsetzung der Maßnahmen in den einzelnen Jahrgängen 

5.1 Ab Klasse 5 – Zukunftstag

Ab der 5. Klasse nehmen alle Schüler/innen bis zum 9. Jahrgang am jährlich stattfindenden Zukunftstag teil. Eine entsprechende Vorbereitung und Organisation erfolgt durch den Klassenlehrer der jeweiligen Klasse. Mit diesem „Schnuppertag“ sollen die Schüler/innen eine Betriebserkundung vornehmen und einen kurzen Einblick in Berufe und Betriebe erhalten. Als Nachbereitung erfolgt das Anfertigen eines Berichtes (ca. ½ Seite), der das Berufsfeld, den Betrieb und die gemachten Erfahrungen umfasst (als Orientierung können die unter 5.2.1 gelisteten Kriterien verwendet werden). Dieser wird durch die Klassen- bzw. Wirtschaftslehrer ausgewertet.

Der 10. Jahrgang ist wegen der anstehenden Prüfungen von dieser Regelung ausgenommen und widmet sich an diesem Tag zu Hause den Vorbereitungen.

5.2 Ab Klasse 7 – Mögliche Angebote

5.2.1 Betriebserkundungen  

Die Betriebserkundungen (möglichst zwei) sollten verschiedene Berufsfelder aus dem Handel, dem Handwerk oder der Dienstleistung abdecken. Als Erkundungsobjekte sind ortsansässige Firmen zu wäh­len. Die Schüler/innen erarbeiten vorher einen Erkundungsplan mit unterschiedlichen Fragestellun­gen und Zielsetzungen.  

Handel:        Welche Produkte stehen wo und warum? 

                   Welche Aufgaben haben die Mitarbeiter? 

                   Wann sind die Öffnungs- und Arbeitszeiten? 

                   Welche Ausbildungsplätze bietet dieser Betrieb? 

                   Welche Qualifikation ist für diesen Beruf erforderlich? 

                   Sind Weiterbildungs- oder Fortbildungsmaßnahmen möglich? 

Handwerk:  Wie ist der Arbeitsplatz strukturiert? 

                   Welche Maschinen werden eingesetzt? 

                   Welche Sicherheitsvorschriften müssen beachtet werden? 

Dienstleistung:        Welche Dienstleistung wird angeboten? 

                                            Wie werden die Dienstleistungen dokumentiert? 

                                Welche Rechtsvorschriften begleiten diesen Beruf? 

Diese Aufzählung ist nicht abschließend. Für die Erkundung werden weitere Informations- und Struktu­rierungsmaterialien verwendet. 

5.2.2 Infomobil der Metall- und Elektroindustrie

Die Schüler/innen können ab der 7. Klasse bereits erste Einblicke in die Metall- und Elektroberufe erlangen und an der Schulveranstaltung teilnehmen, wenn ihrerseits ein besonderes Interesse besteht.

5.2.3 Präsentationstechniken 

Auf der Basis des Erkundungsplans sollen einfache Präsentationstechniken erlernt und trainiert werden. Dies kann in Gruppen-, Einzel- oder Partnerarbeit in Form von Vorträgen, Plakaten, Po­werPoint oder Zeichnungen geschehen. 

5.2.4 Erste Selbsteinschätzung  

Die Schüler werden ermutigt, eine erste vorsichtige Selbsteinschätzung im Hinblick auf ihren Wunschbe­ruf vorzunehmen. Sie bekommen erste Einblicke in die realistische Arbeitswelt und können unter Um­ständen die Diskrepanz zwischen ihrem Wunschberuf und der Wirklichkeit feststellen. 

5.2.5 Kompetenzfeststellungsverfahren Profil-AC

Am Ende des 7. Schuljahres durchlaufen alle Schüler/innen das Kompetenzfeststellungs- verfahren, um eine erste berufliche Beratung zu erfahren. Dabei soll sowohl die Selbsteinschätzung als auch eine berufliche Orientierung und Hilfestellung erfolgen. Der Ablauf und die Organisation findet am Ende des Schuljahres statt und dient damit auch als Vorbereitung für das stattfindende Praktikum der 8. Klasse.

5.3 Klasse 8

5.3.1 Betriebserkundungen 

Eine Erkundung in einem Betrieb ist als Option zu verstehen, sofern die Rahmenbedingungen sowohl aus schulischer als auch betrieblicher Sicht stimmig sind. Hier können die Schüler/innen Tätigkeitsmerkmale und Arbeitsabläufe in verschiedenen Berufen kennen lernen und darüber hinaus einen Einblick in Grund­qualifikationen allgemeiner Art gewinnen. Wünschenswert ist es, dass aktuelle Ereignisse, Erfahrungen und Fragen in den entsprechenden Unterrichtsfächern integriert und aufgearbeitet werden.  

5.3.2 Methodenkompetenz  – Vertiefung 

Schwerpunkte bilden Übungen zur Steigerung der Lesefertigkeit, die Vermittlung von Techniken der Informationsentnahme und multimedialer Informationsbeschaffung, das Einfordern von fachsprachlichen Ausdrucksweisen und damit die Befähigung, sich über Sachverhalte zu informieren und zu argumentieren. Das fortschreitende Erlernen der Normen der Stan­dardsprache und die Gewinnung der Sicherheit im mündlichen und schriftlichen Gebrauch werden ver­tieft:  Übungen zur Sprachrichtigkeit, zur Sprachgestaltung und das Einüben von Korrekturverfahren (Be­nutzen von Wörterbüchern und Nachschlagewerken) sind wichtige Bestandteile zur Gewinnung von Kenntnissen und Fertigkeiten in den Bereichen des Sprechens und der Sprache. Dazu gehören Übungen zum Formulieren von Behauptungen und ihren Begründungen, das Berichten über Ereignisse und Vor­gänge (z.B. Tätigkeitsbericht/ Augenzeugenbericht …), das Beschreiben von Vorgängen und das Protokol­lieren.  

Ebenso muss die Fähigkeit, sich auf den Gesprächspartner einstellen zu können (zuhören, nachfragen, zu­sammenfassen, präsentieren von Arbeitsergebnissen, Textinformation zeichnerisch auf Plakaten darstellen – Visualisierungstechniken), vertieft werden. Das Trainieren von Bewerbungs- und Vorstellungsgesprächen erhält besondere Bedeutung (Körpersprache, Körperhaltung, Aktives Zuhören, Höflichkeit, Fragen formulieren, Angst überwinden, …)  

Eine effektive persönliche Stärkung unserer Schüler/innen zeigt sich erst dann, wenn die o.g. Verhaltens­weisen und Übungen in den gesamten Fächerkanon unserer Schule implementiert sind. Übungen zur Per­sönlichkeitsstärkung sollten kontinuierlich in jedem Unterrichtsfach stattfinden. 

5.3.3 Betriebspraktikum (als Orientierungspraktikum)

Zu Beginn des zweiten Halbjahres absolvieren die Schüler/innen ein zweiwöchiges Praktikum vor den Osterferien. Dem Be­triebspraktikum wird eine entscheidende Funktion bei der Hinführung zu einer kritisch-produktiven Aus­einandersetzung mit der Berufs-, Arbeits- und Wirtschaftswelt zugemessen. Es soll den Jugendlichen einen ersten Einblick in die Arbeitswelt geben (kein Eignungstest, keine Stellenvermittlung). Die Schüler/innen berichten schriftlich, in Form einer Praktikumsmappe, über das Praktikum. Der Lehrer be­reitet die Schüler im Unterricht gründlich auf die Praktikumszeit vor und wertet nach dem Praktikum die Beobachtungen und Erkenntnisse aus. Die Schüler/innen präsentieren ihre Ergebnisse und Erfahrungen in einer Praktikumsausstellung. Eine Bescheinigung über die Praktikumszeit mit abschließender Bewertung des Praktikanten wird von den Betrieben ausgestellt. Die Einschätzung durch die Betriebe nutzt der Prak­tikant, um seine eigenen bisherigen Einschätzungen zu relativieren oder zu überprüfen.  (siehe auch 5.3.3)

5.3.4 Wunschberuf / Stärken- und Schwächenanalyse 

In der Phase der Praktikumsnachbereitung werden Wunschberufe überdacht und im Hinblick auf tatsäch­lich zu erlangende Schulabschlüsse hin realitätsnah adaptiert. Ein Blick auf das letzte Zeugnis kann an dieser Stelle sehr ernüchternd / ermunternd wirken und eine Neuorientierung auslösen. Hilfreich für die Bestimmung des eigenen Berufswunsches sind mehrfache Selbsteinschätzungen (Wie sehe ich mich selbst?) und Fremdeinschätzungen (Wie sehen mich andere – Eltern, Verwandte, Freunde, Lehrer, Betreu­er …). Darüber hinaus werden die Berufs­wahlmappen „Planet Beruf“ der Bundesagentur für Arbeit bearbeitet. Diese Arbeit wird in Klasse 9 fort­gesetzt.   

5.3.5 BIZ-Besuch / Berufsberatung  

Durch die Klassenlehrer (mit Unterstützung der Berufsberaterin sowie der Fachbereichsleitung Wirt­schaft) werden die Schüler/innen über die Möglichkeiten der Informationsgewinnung im Berufsinformati­onszentrum (BIZ) informiert. Die Schüler/innen erfahren im BIZ Einzelheiten über: Ausbildung, Berufs­bilder und Anforderungen, Weiterbildung und Umschulung, Beschäftigungsalternativen, Arbeitsmarktent­wicklungen usw. Im BIZ können sie sich ausführlich informieren und nach passenden Stellen- und Wei­terbildungsangeboten suchen. Somit werden die Jugendlichen ihren Wunschberuf präzisieren können. Ei­genständige Besuche im BIZ sind ergänzend anzuraten.

5.3.6 Praxistage

Im Zuge der stattfindenden beruflichen Orientierung absolvieren alle Schüler/innen die Praxistage an den BBS-Schulen. Dabei erfolgt die Kooperation mit der BBS III und II. Die Schüler(innen werden anhand ihrer Interessen zugeordnet und nehmen verbindlich an dieser Veranstaltung teil. Begleitet werden sie am ersten und letzten Termin durch die Fachlehrer, die die Schüler/innen an den BBS-Schulen besuchen und beraten. Die Termine werden nach Möglichkeit zwischen das erste und zweite Halbjahr gelegt.

5.3.7 Infomobil der Metall- und Elektroindustrie

In der 8. Klasse erfolgt eine Teilnahme der Schüler/innen an den Informationsveranstaltungen der Metall- und Elektroindustrie. Dabei besuchen die Schüler/innen in einer zweistündigen Veranstaltung den Infotruck und erhalten erste Einblicke in die entsprechenden Berufsfelder. Diese Veranstaltung findet typischerweise im Dezember statt.

5.4 Klasse 9 / 10

5.4.1 Vervollständigung der Bewerbungsunterlagen 

Für das kommende Betriebspraktikum sind die Bewerbungsunterlagen zu aktualisieren und durch zwischenzeitlich erworbene Zertifikate zu ergänzen.                                                                    

Bewerbungsanschreiben und Lebenslauf werden im Fach Deutsch und Wirtschaft stilistisch überarbeitet und den üblichen Standards angepasst. 

5.4.2 Betriebspraktikum (als Eignungspraktikum)

Das Praktikum findet im erwählten Wunschberuf statt. Der Schwerpunkt liegt darauf, diesen Beruf zu re­flektieren und eigene Vorstellungen über ihn notfalls zu überarbeiten.           

Zur Stärkung des Selbstkonzeptes der Praktikanten gehört bei diesem Praktikum die schriftliche Bewerbung auf einen Praktikumsplatz. Die Schüler/innen erkunden selbstständig, ob Betriebe für sie einen Praktikumsplatz zur Verfügung stellen. Die Schüler arbeiten erneut mit der Mappe der Oberschule Flotwedel, um sich Klarheit darüber zu verschaffen, ob ihre Fähigkeiten, Neigungen, Fertigkeiten, gesundheitlichen Möglichkeiten usw. Änderungen erfahren haben.  Für Klasse 9 der Oberschule ist ein zweiwöchiges Praktikum vor den Osterferien im zweiten Halbjahr vorgesehen. Dieses läuft parallel zu dem Praktikum der 8, Klassen. Im Abschluss gibt es eine gemeinsame Ausstellung, um die Ergebnisse zu reflektieren und zu würdigen.

5.4.3 Dokumentation in der Klasse 

Erfahrungen werden zusammen mit Gegenständen, die für den jeweiligen Beruf charakteristisch sind, präsentiert. Erfahrungsgemäß bevorzugen die Schüler hierzu eine Collage, wobei mit dem Fach Kunst zu­sammengearbeitet werden kann. Andere Präsentationsformen (Film, Fotoserie usw.) sind der Kreativität der Schü­lerschaft überlassen. 

Zur verbalen Förderung halten die Schüler zu ihrer Dokumentation ein Kurzreferat in der Ausstellung, wobei die Darstellung als Gedächtnisstütze dient. Eine sinnvolle Gliederung des Referats wird ebenso wie eine schriftliche Textstütze in Stichworten erwartet. Übersteigt das Format der Dokumentation die Maße des Berufswahlordners, so sind Fotografien anzufertigen, um sie dem Ordner beizufügen. 

5.4.4 „Check the job“ 

Die Schüler/innen nehmen in der 9. Klasse verbindlich an der Veranstaltung „Check the job“ teil. Durch die Kooperation mit der Stiftung NiedersachsenMetall und lokaler Unternehmen findet an diesem Tag eine Berufsfelderkundung statt. Die Schüler/innen erhalten einen praktischen Einblick in die verschiedenen Unternehmen und können sich auch für ein anstehendes Praktikum bewerben. An diesem Vormittag erhalten sie einen Einblick in sechs verschiedenen Berufsfelder. Individuelle Wünsche sollen bei der Wahl nach Möglichkeit berücksichtigt werden. Die Veranstaltung findet nach Möglichkeit um die Herbstferien statt.

5.4.5 Berufsberatung 

Die Schüler/innen sollen sich regelmäßig und individuell (auch mit ihren Eltern zusammen) beraten las­sen. Eine allgemeine Information über Sinn und Ablauf der Beratungen findet in Zusammenarbeit der Wirtschaftslehrer mit der Berufsberaterin in Einzelgesprächen statt. Jeder Schüler muss in diesem Zusammenhang mindestens einmal intensiv beraten werden.

Bei der individuellen Berufsberatung werden jene Schüler bevorzugt behandelt, die einen gepflegten Berufswahlordner vorweisen können. 

5.4.6 Anmeldung an den BBS-Schulen

Die Schüler/innen werden normalerweise zu Beginn des 2. Halbjahres der 9. oder 10. Klasse an den Berufsbildenden Schulen in Celle angemeldet, sofern sie keinen Ausbildungsvertrag unterschrieben haben. Dabei übernehmen die Fachlehrer Wirtschaft eine beratende Funktion und helfen bei der individuellen Antragsstellung. In diesem Zusammenhang soll auch eine Kooperation mit der Schulsozialarbeit erfolgen. Die Schulsozialarbeit soll insbesondere bei den BBS-Anträgen der unteren Jahrgänge unterstützen und den Schülerinnen und Schülern Hilfestellung bei der Bearbeitung und Vervollständigung geben. 

Als Vorbereitung der Anmeldungen erfolgt eine Zusammenarbeit mit der Bundesagentur für Arbeit, die sowohl an Elternabenden als auch an Vormittagen die Eltern und Klassen besucht und berät. Dabei soll eine Informationsveranstaltung für die Eltern erfolgen, damit diese sich mit der Berufsplanung der Schülerinnen und Schülern auseinander setzten können. 

5.4.7 Speed-dating

Die Schüler/innen wird im Laufe der 9. und 10. Klasse mehrfach die Gelegenheit angeboten, an speed-datings in der Region teilzunehmen. Dabei werden im Vorfeld die Bewerbungsunterlagen vorbereitet und die Schüler/innen während der Veranstaltung betreut. Diese Veranstaltungen werden mit der Agentur für Arbeit durchgeführt, die die Veranstaltungen ebenfalls betreut. Momentan finden speed-datings an der Oberschule Wathlingen und der BBS II. Statt. Diese sollen durch eine Berufsmesse in Celle ergänzt werden. 

5.4.8 Bewerbungstraining 

Zu Beginn des Schuljahres der 9. (und auch 10.) Klasse werden nach Möglichkeit externe Bewerbungstrainer engagiert, um auch im Hinblick auf das anstehende Betriebspraktikum und eventuellen Bewerbungsgesprächen den Schüler/innen Hilfen zu geben. 

Die Schüler werden angehalten, mindestens einmal täglich Nachrichten zu verfolgen und eine Tageszeitung zu lesen. Diese Nachrichten werden stichwortartig notiert und im Unterricht vorgetragen, entsprechende Unterrichtszeit wird zur Verfügung gestellt. Das Persönlichkeitsmerkmal „Teamfähigkeit“ spielt in vielen Berufen eine wesentliche Rolle. Bei entsprechender Unterrichtsgestaltung können die Fächer Physik, Chemie, Werken, Hauswirtschaft und Sport wesentliche Beiträge für die Herausbildung dieses Merkmals bieten. 

Schulinterne Bewerbungstrainings finden ab Schuljahresbeginn fortlaufend statt. Hierzu bieten sich Rollenspiele an.  

5.4.9 Schwerpunktbildung / Profil – WPK

Profilbildung / Verankerung von Schwerpunkten (Profile) im Wahlpflichtunterricht in Klasse 

9 und 10. Angebot von mindestens einen der Schwerpunkte Wirtschaft, Technik oder Gesund­heit und Soziales. Das Angebot zur Schwerpunktbildung richtet sich nach den organisatorischen, perso­nellen und sächlichen Gegebenheiten an der OBS. Aktuell können Gesundheit und Soziales, Technik und Wirtschaft als Profil angeboten werden. 

5.4.10 Infomobil der Metall- und Elektroindustrie

In der 9. Klasse erfolgt eine interessen- und berufswunschorientierte Teilnahme der Schüler/innen an dem Infotruck der Metall- und Elektroindustrie. Dabei besuchen interessierte  Schüler/innen und Kurse eine spezielle Veranstaltung (z.B. „Umgang mit einer CNC-Maschine“), die auf einzelne Aspekte der Metall- und Elektroberufe zugeschnitten ist. Diese kann auch zertifiziert werden. Falls Schüler/innen des 8. Jahrgangs bisher keine Orientierungsveranstaltung besucht haben (vgl. 5.2.7), erfolgt diese spätestens im 9. Jahrgang.

6. Schülerfirmen

Die Catering-Schülerfirma wird in der Klasse 9 und 10 der Oberschule im Rahmen einer Hauswirtschaft-Wirtschaft Kooperation geführt. Die Schüler/innen betreuen die Schulcafeteria und erlernen dabei Grundlagen des Rechnungswesens und der Betriebswirtschaftslehre sowie der hauswirtschaftlichen Tätigkeiten. Begleitet werden die Klassen durch die Fachlehrkräfte in Hauswirtschaft und Wirtschaft. Die Zubereitung und Herstellung der Produkte erfolgt über drei Unterrichtsstunden, der Verkauf findet in der ersten großen Pause statt. Zusätzlich wird eine Schulcafeteria unterhalten, die am Dienstag und Donnerstag in der Mittagspause stattfindet und die Schüler/innen mit Getränken versorgt. In dieser Zeit sind die Schüler/innen der Schülerfirma involviert und arbeiten durchgängig in der Mittagspause.

Eine weitere Schülerfirma erfolgt jahrgangsmäßig versetzt und organisiert den Schulkiosk der Schule. Dabei sollen zum einen Schreibmaterialien, Stifte u.ä. verkauft werden und zum anderen werden für den Pausenverzehr Joghurt und andere Speisen verkauft.

Beide Schülerfirmen setzten in diesem Zusammenhang auf die Nachhaltigkeit und versuchen Abfälle zu vermeiden.

7. Kooperation mit ortsansässigen Firmen 

Eine Kooperation der Oberschule Flotwedel kann nach Absprache mit lokalen Unternehmen erfolgen. In diesem Zusammenhang findet bei Bedarf eine „Berufswahlmesse“ in der Schule statt, die von der Schülerschaft erkundet wird. Dieser Bereich wird von der Schulsozialarbeit betreut.

8. Eingliederung der Berufsorientierung in den regulären Fachunterricht

Siehe schulinterne Arbeitspläne der jeweiligen Fächer

9. Evaluation 

Das vorliegende Konzept leitet einen Prozess ein, der zu einer Optimierung der Berufsorientierung unse­rer Schüler/innen führen soll. Daraus resultiert, dass die aufgeführten Maßnahmen nicht festgeschrieben sind, sondern in Abständen immer wieder zur Disposition gestellt werden müssen. Um eine zielgerichtete Verbesserung zu erreichen, ist es notwendig, Merkmale für den Erfolg oder Misserfolg einzelner Maß­nahmen festzulegen. Dabei soll eine Abfrage bei der betroffenen Schülerschaft erfolgen, die die Akzeptanz und Erfolgsorientierung der einzelnen Maßnahmen bewertet. Bei der Evaluation der Bemühungen können folgende Merkmale herangezogen werden: 

 •   Zufriedenheit der Schüler/innen mit ihren Fortschritten 

•   Zufriedenheit der Betriebe hinsichtlich der Schülerleistungen und der Zusammenarbeit mit den Betreu­ern 

•   Zufriedenheit der Eltern mit den durchgeführten Maßnahmen 

•   Zufriedenheit der Lehrer/innen hinsichtlich Durchführbarkeit und Effizienz der Maßnahmen 

•   Qualität des Berufswahlordners 

• Rückmeldung der Berufsberatung über das Ausmaß an Realismus hinsichtlich des angestrebten Berufs und an Vorwissen, das in die Beratung eingebracht wird 

•   Im Unterricht erkennbare Veränderungen im Bereich Arbeits- und Sozialverhalten 

•   Veränderungen im Leistungsbild innerhalb einzelner Fächer 

Die Fachbereichskonferenz Wirtschaft tritt jährlich mindestens einmal zusammen, um über den Erfolg des Konzeptes zu diskutieren und ggf. Nachbesserungen vorzunehmen. Zu dieser Veranstaltung können Betriebe eingeladen werden, um deren Expertise stärker in das Konzept einzubringen. 

Stand: Februar 2020